≠ Design und Genderpreis 2026
DIe Preisträger*innen
Bereits zum fünften Mal wurde der ≠ Design und Genderpreis für hervorragende genderbezogene Arbeiten der Studierenden im FB Design vergeben. Gewürdigt wird die besondere gestalterische Auseinandersetzung mit der Thematik der Geschlechterperspektiven. Der Wettbewerb soll für ein Bewusstsein für Wertevorstellungen sorgen in Bezug auf Geschlechterrollen und geschlechtliches Ungleichgewicht. Die in der Gesellschaft verankerten Muster werden hinterfragt.

Die Ausstellung fand zum dritten Mal im HansA statt in der Dortmunder City. Danke für die Kooperation an Dortmund Kreativ! Es folgen Abbildungen der preisgekrönten Arbeiten, Texte der Verfasser*innen und jeweils ein kurzes Statement der Jury.
Klara Kron & Franziska Schönhofer. „Gewalten formen„

Gewalten Formen ist eine mobile, künstlerisch-politische Installation, die das Thema geschlechtsspezifische Gewalt in den öffentlichen Raum bringt. Der Fokus der Inhalte liegt in der Offenlegung struktureller Gewalt gegen weiblich gelesene Personen, die tief in gesellschaftlichen und institutionellen Systemen verwurzelt ist. Im Zentrum der räumlichen Inszenierung steht ein drei Meter hoher, leuchtender Turm, der ein lautes und sichtbares Zeichen gegen die Tabuisierung und Privatisierung des Themas setzt. Gewalten Formen ist Kunstobjekt, Diskursraum und Protestarchitektur in einem.
Das Projekt verbindet Szenografie, politischen Aktivismus und Aufklärung – und regt das Publikum dazu an, jene patriarchalen Strukturen kritisch zu hinterfragen, die geschlechtsspezifische Gewalt normalisieren, verharmlosen und (re)produzieren. Entwickelt, kuratiert und umgesetzt wurde Gewalten Formen als Masterabschlussprojekt von Klara Kron und Franci Schönhöfer im Fach Szenografie und Kommunikation. Vom 15. bis 26. November 2025 war die Installation an vier Standorten in Dortmund zu sehen. Test von Klara Kron & Franziska Schönhofer
JURYSTATEMENT: Thematisiert wird der Femizid, also die Gewalt gegen Frauen, die zum Tod führen kann. Das Thema Femizid ist immens wichtig. Die Zahlen der Femizide steigen an, im häuslichen wie im öffentlichen Raum. Mittels eines sogenannten Leuchtturmes haben Klara Kron und Franziska Schönhofer eine Arbeit entwickelt, die sich gegen diese Gewalt stemmt. Die Installation wurde an vier verschiedenen Plätzen in Dortmund im öffentlichen Raum aufgebaut und hat dort mit Sicherheit schon Wirkung gezeigt. Die Aufklärung über das Thema ist eine Hilfe für Betroffene wie auch ihr Umfeld, um dem schwierigen Umgang mit Gewalt in der Beziehung etwas entgegen zu setzen oder auch zu um zu informieren, wie man helfen kann. Die Jury sieht die Arbeit als eine hervorragend gelungene Realisierung an, die den Umgang mit einem Tabuthema gestalterisch anspruchsvoll in die Öffentlichkeit rückt und damit Präventionsarbeit leistet.
Rebecca Jahn. „Systemfehler“.

Film 3 Minuten lang.
„Ein monochrom blauer Raum, surreal, stark stilisiert. In seiner Mitte eine riesige Care-Arbeits-Maschine. Angetrieben durch das stetige Treten einer Mutter, beginnt ein schier endloser Kreis-lauf aus Haushalt, Kind und Bürokratie, der sie zunehmend einnimmt. Was als Routine beginnt, wird zum Strudel der Erschöpfung. Zwischen Überforderung und stiller Stärke zeigt sich die Absurdität eines Systems, das auf Dauerlauf statt Unterstützung setzt. Denn wenn Care-Arbeit maschinell abge-arbeitet werden muss, bleibt das Leben auf der Strecke.“ Text von Rebecca Jahn.
JURYSTATEMENT: Der Kurzfilm zeigt die präzise Schilderung des klassischen „Hamsterrades“ einer alleinerziehenden Mutter. Die Themenwahl ist innovativ, da die Rolle der alleinerziehenden Frau nicht oft in den Focus gestellt wird. Die Reduktion des Setbaus auf einen einzigen extrem farbig gestalteten Raum verstärkt den Eindruck von Isolation. Die Mutter mit Kind wird zum Teil einer Maschinerie und bemüht sich verzweifelt, den übermäßigen an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Die Jury bewertet die Wahl des Themas als wichtigen Beitrag zur möglichen Neuidentifikation der Rolle der Frau, die hier als alleinerziehende Person thematisiert wird. Sie steht jedoch auch im übertragenen Sinne ebenso für die klassische Frauenrolle. Die filmische Umsetzung des Kurzfilms bewertet die Jury als hervorragende Gestaltung.
Jorid Disteldorf. „In the absence of you„.

„In the absence of you“ beschäftigt sich mit den Nachwirkungen einer toxischen Beziehung, geprägt von Untreue, Gaslighting und dem Gefühl, niemals genug zu sein. Die Arbeit bewegt sich durch die unterschiedlichen Stadien von Herzschmerz, Einsamkeit, Verwirrung und dem langsamen Prozess, sich selbst wiederzufinden. Die Fotos zeigen Momente, Orte und Details, die Erinnerungen, Emotionen, Verbindungen und Spuren des Vergangenen in sich tragen. Themen wie Weiblichkeit, Verlust, Selbstwert und die Sehnsucht nach Nähe ziehen sich durch die Serie. Gleichzeitig ist die Arbeit eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechtsidentität und dem Erleben von Weiblichkeit.
Dem Versuch nach emotionaler Verletzung wieder Selbstvertrauen zu entwickeln, sich wieder feminin zu fühlen und den eigenen Wert neu zu entdecken. Auch neue Begegnungen finden ihren Platz in der Serie, nicht als Lösung oder Antwort, sondern als Teil eines chaotischen, oft widersprüchlichen Heilungsprozesses. „In the absence of you“ handelt von dem was zurückbleibt, von dem was nachwirkt und von dem Weg zurück zu sich selbst.JURYSTATEMENT: Die Arbeit In the absence of you beschäftigt sich mit den Nachwirkungen einer toxischen Beziehung, geprägt von Untreue, Gaslighting und dem Gefühl, niemals genug zu sein. Text Jorid Disteldorf.
JURYSTATEMENT: Nach einer Trennung wird die eigene Identität wird neu überdacht und definiert, verschiedene Gefühlslagen werden in der Arbeit von Jorid Disteldorf nachvollziehbar gezeigt. Die Bilder übermitteln den Eindruck von Unmittelbarkeit und verdeutlichen unterschiedliche emotionale Zustände. Es scheint, als ob die Wahrnehmung geschärft wäre nach dem „Verlust“ und sich vorsichtig eine neue Sichtweise auf die Welt zeigt. Die Jury bewertet die gestalterische Wirkung als stark wie hervorragend und zeichnet die Arbeit aus als eine sehr gelungene vielschichtige Fotoarbeit mit hoher ästhetischer Qualität zu einem Thema, dass einen verletzlichen Zustand sichtbar werden lässt als Möglichkeit für neue Perspektiven.
Tizian Hollweck. „T-Boys 2027“.

„Der Kalender T-Boys 2027 ist ein 52-wöchiger Wandkalender in den Maßen 17,6 x 25,0 cm (B5) von Tizian Hollweck. Er befasst sich mit der Darstellung von trans* maskulinen Personen und trans* Männern. Mit diesem Kalender möchte ich zeigen, dass es diverse trans* Personen gibt und dass es nicht eine Art gibt, trans* maskulin oder wie ein trans* Mann auszusehen. Trans* Personen können sich auch selbstbewusst und sexy in ihren Körpern fühlen, entgegen dem gesellschaftlichen Irrglauben, dass trans* zu sein, automatisch Leid bedeutet. Inspiration für diesen Kalender sind all‘ die wundervollen trans* Personen in meinem Leben.“ Text Tizian Hollweck.
JURYSTATMENT: Der Kalender zeigt Trans* Menschen in großer Intimität als Anspielung auf die üblichen Kalender mit nackten Frauen. Die Jury sieht die Arbeit als besondere Leistung und vergibt einen Ehrenpreis.

Die Gewinner*innen von links nach rechts: Klara Kron und Franziska Schönhöfer, Jorid Disteldorf, Rebecca Jahn und Tizian Hollweck.
JURY:
Quinn Husmann / Lucia Liebeton. Studentische Mitglieder
Meike Noster. Gleichstellungsbeauftragte des FB Design / Lehrende
Jana Pöstges. Stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte des FB Design / Lehrende
Nora Fuchs. Projektleiterin / Lehrende
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